Minimal-invasiver Herzklappenersatz hat sich bewährt

29.06.2011


Über 160 Hochrisikopatienten haben seit Herbst 2008 im Klinikum Ludwigshafen von einer innovativen, schonenden Kathetertechnik beim Austausch verkalkter Aor-tenklappen profitiert: Bei der Perkutanen (durch die Haut) Aortenimplantation wird die zunächst zusammengefaltete Klappe über die Leistenarterie zum Herzen ge-schoben und dann anstelle der erkrankten Klappe eingesetzt. Eine positive Bilanz zogen in einem Pressegespräch am 29. Juni 2011 Geschäftsführer Dr. Joachim Stumpp sowie die verantwortlichen Chefärzte Prof. Dr. Ralf Zahn, Direktor der Me-dizinischen Klinik B, und Prof. Dr. Falk-Udo Sack, Direktor der Herzchirurgie.

Bei der Präsentation des neuen Verfahrens im September 2008 hatte es noch ge-heißen, es müsse sich erst etablieren, um in größerem Umfang angewendet zu werden. „Angesichts der großen Anzahl erfolgreicher Eingriffe können wir sagen: Das Verfahren hat sich bewährt“, so der Geschäftsführer.

Seit kurzem nutzt das Klinikum eine weitere Variante des Verfahrens, den Trans-apikalen Aortenklappenersatz – mit dem Zugang zwischen zwei Rippenbögen direkt über der Herzspitze. Das nach wie vor gängige Verfahren, eine Operation mit Brustbeinöffnung in Vollnarkose anstelle der beiden minimal-invasiven Varianten, wäre für die betroffenen Patienten aufgrund ihrer sonstigen schweren Erkrankungen zu riskant gewesen.

Durch das steigende Lebensalter sind immer mehr Menschen von Kalkablagerun-gen an der Aortenklappe betroffen. Dies führt zur Verengung der Herzklappe zwi-schen der großen Körperhauptschlagader und der linken Herzkammer. Diese soge-nannte Aortenklappenstenose verhindert das widerstandslose Ausströmen des Bluts aus der Herzkammer, so dass der Herzmuskel dies durch erhöhte Pumpleis-tung auszugleichen versucht. Wird die Verengung nicht beseitigt, kommt es zu einer Herzschwäche mit Herzvergrößerung. Bei körperlicher Belastung kann der Blut-fluss, den die Muskeln oder das Gehirn benötigen, nicht aufgebracht werden – die Patienten leiden unter Leistungsschwäche, ihnen wird schwindelig oder sie werden sogar bewusstlos.

Der Ersatz der Aortenklappe wurde in den westlichen Ländern zur zweithäufigsten Herzoperation und ist längst ein Routineeingriff geworden. Dabei wird üblicherweise in Vollnarkose das Brustbein durchtrennt, das Herz stillgelegt und seine Funktion über die Herz-Lungen-Maschine ersetzt. Doch nicht für alle Patienten ist diese Pro-zedur geeignet. Bei alten Patienten mit Voroperationen oder schweren anderen Er-krankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck besteht ein hohes Operationsrisiko. Für diese Patienten stellt der Herzklappentausch mittels Kathetertechnik bei leichter Betäubung eine gangbare Alternative dar – am schlagenden Herzen, ohne Operati-on und ohne Vollnarkose.

Die Behandlung mit Kathetertechnik bedeutet immer Teamarbeit. Im Vorfeld müs-sen die Kardiologie unter Leitung von Chefarzt Prof. Dr. Ralf Zahn und die Herzchi-rurgie unter Leitung von Chefarzt Prof. Dr. Falk-Udo Sack abwägen, welcher Eingriff für den Patienten in Frage kommt. Fällt die Entscheidung für die Kathetertechnik, übernimmt die Klinik für Herzchirurgie die „standby“-Rolle für den Notfall. Beim Zu-gang über die Herzspitze, in der Fachsprache transapikal, sind die Herzchirurgen direkt am Werk. Sie haben inzwischen bei den ersten Patienten die Aortenklappe ausgetauscht.

„Für den Aortenklappenersatz können unsere Fachärzte eine optimale Ausstattung im Klinikum nutzen, den Hybrid-OP, zu dessen Ausstattung eine fest installierte Röntgenanlage gehört“, betonte Geschäftsführer Dr. Joachim Stumpp. Die Eingriffe erfolgen unter Röntgen- und zum Teil auch Ultraschallkontrolle

Um den Zugang über die Leiste nutzen zu können, muss die Leistenarterie groß genug und frei von einer schweren Verkalkung sein. Wenn dies jedoch der Fall ist, bietet sich der zweite Weg über die Herzspitze an. Hierzu ist ein kleiner Schnitt zwi-schen der fünften und sechsten Rippe auf der linken Seite des Brustkorbs notwen-dig.

Die neue Methode wird unter anderem deshalb geschätzt, weil sie schonender als eine große Operation ist. So dauert der minimal-invasive Eingriff ca. eine Stunde, die große OP mit Brustbeinöffnung dagegen ca. drei Stunden. Trotz der vielen Vor-teile der neuen Technik bleibt sie im Klinikum Ludwigshafen Hochrisikopatienten vorbehalten. Dafür spricht, dass die normale Herzoperation für die Mehrzahl der Patienten mit einem sehr niedrigen Risiko möglich ist und zuverlässige gute Lang-zeitergebnisse bietet.

nig