Blutspendezentrum Ludwigshafen schließt zum 31. August 2015

14.07.2015


Das von Klinikum Ludwigshafen (KliLu) in der Gräfenaustraße 23-25 betriebene Blutspendezentrum Ludwigshafen wird zum 31. August 2015 geschlossen und das Klinikum Ludwigshafen wird künftig mit Blutprodukten durch die Blutspendeeinrichtungen des Deutschen Roten Kreuzes West und Baden-Württemberg-Hessen versorgt. Darauf verständigten sich Geschäftsführung und Direktorium des Klinikums und der Aufsichtsrat am Montag, 13. Juli 2015, in einer außerordentlichen Sitzung.

Grund für die Schließung ist die wirtschaftliche Situation des Blutspendezentrums, die durch ein aktuelles Urteil des Bundessozialgerichts vom 10. März 2015 (B 1 KR 2/15 R) nochmals deutlich verschärft wurde.

Krankenhäuser sind von Gesetzes wegen verpflichtet, bei der Behandlung von Patienten mit Thrombozyten das jeweils geeignete günstigste Produkt einzusetzen.

Das beklagte Krankenhaus hatte bei Herzklappeneingriffen ausschließlich Apherese-Thrombozytenkonzentrate eingesetzt, also Blutplättchen-Konserven, bei der eine Einheit von genau einem Spender stammt. Dieses Verfahren gilt als hoch sicher, allerdings gibt es dafür keine Evidenz, d.h. der Nachweis der höheren Sicherheit konnte gegenüber dem anderen Herstellungsverfahren (gepoolte Thrombozyten) nicht geführt werden. Aus Sicht der Krankenkassen ist der Einsatz von Apherese-Thrombozytenkonzentraten allerdings teurer (höheres Zusatzentgelt 350 Euro statt 250 Euro). Aus diesem Grund klagte eine Krankenkasse bis zum Bundessozialgericht – und bekam Recht.

Das Klinikum Ludwigshafen muss sich daher, wie allen anderen Krankenhäuser auch, nun auch auf den vermehrten Einsatz von gepoolten Konserven einstellen und in jedem Einzelfall prüfen, welches Produkt als das günstigere geeignete zum Einsatz kommen soll. Es ist damit zu rechnen, dass der Verbrauch von Apherese-Thrombozytenkonzentraten signifikant zurückgehen und der Verbrauch von gepoolten Thrombozytenkonzentraten entsprechend ansteigen wird.

Das Blutspendezentrum Ludwigshafen ist arzneimittelrechtlich nur für die Herstellung von Apherese-Thrombozytenkonzentraten zugelassen. Gepoolte Thrombozytenkonzentrate darf es nicht herstellen. Diese werden bereits jetzt von anderen Zentren (vorrangig DRK-BSD West in Bad Kreuznach) zugekauft.

Vor dem Hintergrund des erwarteten geänderten Bedarfes für die Produkte des Blutspendezentrums macht der Weiterbetrieb wirtschaftlich keinen Sinn mehr. Das Klinikum erspart sich mit der Umstellung jährliche Aufwendungen in einer Größenordnung von 300.000 Euro und einmalig erforderliche Investitionen in die bauliche und apparative Ausstattung in das Blutspendezentrum in einer Größenordnung von 500.000 Euro.

„Angesichts des enormen Kostendrucks, unter dem alle Krankenhäuser in Deutschland stehen, sind wir gut beraten, alle Möglichkeiten zur Reduktion von Kosten wahrzunehmen und dies ganz besonders dann, wenn es dadurch zu keiner Verschlechterung der Versorgung unserer Patienten kommt. Wir bedauern es außerordentlich, dass wir uns gezwungen sehen, das Blutspendezentrum Ludwigshafen aufzugeben. Das Zentrum hat uns über zwei Jahrzehnte gute Dienste geleistet und war für viele Ludwigshafenerinnen und Ludwigshafener eine zentrale Anlaufstelle, um Gutes zu bewirken; und wir hoffen, dass unsere Spender auch dem Deutschen Roten Kreuz die Treue halten.

Vor dem Hintergrund des Urteilspruchs und der beschlossenen Schließung des Blutspendezentrums werden wir nun komplett auf Fremdbezug von Blutprodukten umstellen und dabei eng mit dem Deutschen Roten Kreuz zusammenarbeiten, um die Blutversorgung in Ludwigshafen sicherzustellen. Die insgesamt zwölf Mitarbeiterinnen, die im Blutspendezentrum beschäftigt sind, werden nach der Schließung auf adäquate freie Stellen im Klinikum versetzt. Zu betriebsbedingten Kündigungen kommt es nicht“, so KliLu-Geschäftsführer Hans-Friedrich Günther am Montag.