Resistente Bakterien: Netzwerk für sinnvollen Einsatz von Antibiotika gegründet

17.12.2015


In der Metropolregion Rhein-Neckar haben sich sieben Kliniken zu einem Netzwerk für den sinnvollen Einsatz von Antibiotika zusammengeschlossen - unter anderem das Klinikum Ludwigshafen.

Seit zwei Jahren schon warnt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor zunehmenden Antibiotika-Resistenzen. Die Zahl der nicht oder zumindest nicht mit den üblichen Medikamenten therapierbaren Infektionserkrankungen nimmt gerade durch multiresistente Keime (MRE) zu. Die Ursachen sehen Experten vor allem in der Nutzung von Antibiotika in der Lebensmittelindustrie sowie in der Verschreibung von Antibiotika bei viralen Infekten, obwohl sie hier gar nicht helfen.
 
Um dieser Gefahr durch einen bewussten und rationalen Einsatz von Antibiotika entgegenzuwirken, haben sich in der Metropolregion Rhein-Neckar sieben Kliniken zu einem sogenannten Antibiotic-Stewardship-Netzwerk zusammengeschlossen. Das Netzwerk besteht aus dem Klinikum der Stadt Ludwigshafen, der Universitätsmedizin Mannheim (UMM), dem Universitätsklinikum Heidelberg, der Thoraxklinik-Heidelberg, den Kliniken Schmieder Heidelberg, der Stadtklinik Frankenthal sowie dem SRH Kurpfalzkrankenhaus Heidelberg. Unter Antibiotic Stewardship (ABS) werden Strategien und Maßnahmen verstanden, die den sinnvollen Einsatz von Antibiotika sichern sollen.

Bewusstsein schärfen

„Unser Ziel ist es, dass möglichst viele Krankenhäuser in der Metropolregion ABS-Gruppen einführen und vor Ort das Bewusstsein für den rationalen Einsatz von Antibiotika schärfen", sagen die Initiatoren des ABS-Netzwerks Rhein-Neckar, der Leitende Apotheker der Thoraxklinik Heidelberg, Stephan Liersch, und Privatdozent Dr. med. Roger Vogelmann, Stellvertretender Klinikdirektor der II. Medizinischen Klinik der UMM. „Langfristig wollen wir so verhindern, dass Bakterien Resistenzen entwickeln. Deshalb sollen Antibiotika nur dann eingesetzt werden, wenn sie für die Therapie unverzichtbar sind. Außerdem soll für jeden Patienten sorgsam das individuell passende Antibiotikum ausgewählt werden."

„Generell sind Antibiotika ein unverzichtbarer Bestandteil der Therapie vieler Erkrankungen. Letztlich sollen durch den kontrollierten Einsatz von Antibiotika die Wirksamkeit erhalten und Nebenwirkungen für den Patienten reduziert werden" sagt Dr. Norbert Marxer, Leitender Apotheker am Klinikum Ludwigshafen. Dort haben sich ärztliche Vertreter aus fünf Abteilungen (Intensivmedizin, Gastroenterologie, Hämatologie/Onkologie, Herzchirurgie, Pulmologie), der Krankenhaushygiene, des Instituts für Laboratoriumsmedizin und der Apotheke zu einer lokalen, interdisziplinären ABS-Gruppe zusammengeschlossen. Die infektiologisch versierten Experten beraten die behandelnden Ärzte zur Auswahl geeigneter Antibiotika und geben Empfehlungen zu deren zweckmäßigen Einsatz. Vorsitzender der Ludwigshafener ABS-Gruppe ist Dr. Marxer.