Onkologisches Zentrum und Kopf-Hals-Tumor-Zentrum zertifiziert

04.11.2016


Kürzlich wurde das Kopf-Hals-Tumor-Zentrum Ludwigshafen am Klinikum Ludwigshafen (KliLu) erstmalig zusammen mit dem Onkologischen Zentrum Ludwigshafen erfolgreich durch die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG) zertifiziert. Damit hat das Onkologische Zentrum Ludwigshafen am KliLu seine Gesamtzertifizierung als Spitzenzentrum für Krebserkrankung erhalten.

Bisher haben nur ca. 50 Kopf-Hals-Tumorzentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz den anspruchsvollen Zertifizierungsprozess der DKG erfolgreich absolviert. Das Zertifikat bestätigt, dass hier interdisziplinäre Krebsmedizin auf höchstem Qualitätsniveau unter Berücksichtigung international gültiger Evidenzen und Standards betrieben wird. Wichtige Voraussetzung für die Zertifizierung ist u.a. der Nachweis einer engen Kooperation aller beteiligten medizinischen Fachbereiche und Berufsgruppen. Sie gewährleistet eine ganzheitliche Versorgung von Patienten mit Kopf-Hals-Tumoren – von der Diagnose über die Therapie und Nachsorge bis hin zur Palliativbetreuung und Hospizarbeit. In zertifizierten Kopf-Hals-Tumor-Zentren kann den Patienten eine Therapie angeboten werden, die auf ihre individuellen Bedürfnisse besonders präzise zugeschnitten ist und Begleiterkrankungen gezielt berücksichtigt.

Jedes Jahr erkranken nach Angaben der DKG etwa 4.000 Frauen und 12.700 Männer in Deutschland an bösartigen Tumoren der Mundhöhle, des Rachens und des Kehlkopfs. Kopf-Hals-Tumoren stellen damit die 6.-häufigste Krebserkrankung von Männern und die 15.-häufigste von Frauen dar. Die Entstehung der Tumoren wird gefördert durch den regelmäßigen Konsum größerer Mengen Alkohol und jahrelanges Rauchen. Weitere mögliche Ursachen sind Infektionen mit humanen Papillomviren (HPV) im Rachen oder der langjährige Kontakt mit Asbest beim Kehlkopfkrebs. „Trotz verbesserter Therapiemöglichkeiten führen über die Hälfte der weltweit jährlich 600.000 Neuerkrankungen an Kopf-Hals-Tumoren zum Tod“, erklärt Professor Dr. K.-Wolfgang Delank, Direktor der HNO-Klinik am Klinikum Ludwigshafen und einer von zwei Leitern des Kopf-Hals-Tumor-Zentrums Ludwigshafen. „Diese hohe Zahl resultiert vor allem aus den sehr unspezifischen Symptomen der Tumoren. Leider suchen die Betroffenen oft erst in fortgeschrittenen Tumorstadien den Arzt auf. “

Kopf-Hals-Tumoren sind aggressive Tumoren, welche häufig Tochterabsiedlungen in den Halslymphknoten bilden. Die Tumorerkrankungen führen regelhaft zu Beeinträchtigungen von der Atmung sowie der Kau,- Sprech- und Schluckfunktionen. Die Wiederherstellung dieser wichtigen Funktionen, zusammen mit einer komplexen Anatomie, stellt eine besondere Herausforderung bei der Behandlung durch Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie dar.

Spezialisierte Therapien durch interdisziplinäre Zusammenarbeit

Der Kern des Kopf-Hals-Tumor-Zentrums des Klinikums Ludwigshafen besteht aus spezialisierten Ärzten der HNO-Klinik und der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie (MKPG). „In Tumorkonferenzen wird jeder einzelne Fall vorgestellt und gemeinsam beraten. Die interdisziplinäre Diskussion erfordert zwar ein erhebliches Engagement der beteiligten Ärztinnen und Ärzte, auch im Hinblick auf die ohnehin schon recht lange, tägliche Arbeitszeit. Die Besprechung im sogenannten „Tumorboard“ hat sich aber international sehr bewährt, um jedem einzelnen Patienten eine individuelle Therapie bieten zu können“, sagt Professor Delank. „Selbstverständlich behandeln die HNO und die MKPG auch andere Tumorerkrankungen der Fachgebiete, die im Katalog der DKG nicht aufgeführt sind, z.B. Tumoren der Speicheldrüsen, der Gesichtshaut, der äußeren Nase, der Ohrmuschel und den Knochen des Gesichtsschädels.“

Geleitet wird das Tumorzentrum gemeinsam von Professor Dr. K.-Wolfgang Delank, Direktor der HNO-Klinik, und Professor Dr. Dr. Robert Mischkowski, Direktor der Klinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie. 2015 wurden 130 Patienten mit neu aufgetretenen Tumoren von Mundhöhle, Rachen und Kehlkopf behandelt.