Telestroke-Netzwerk Rheinland-Pfalz läuft stabil: Kliniken zufrieden mit den Erfahrungen der ersten drei Wochen

21.04.2016


Seit dem 1. April 2016 läuft das Telestroke-Netzwerk Rheinland-Pfalz. Durch die neurologischen Tele-Konsile, die die Netzwerkzentren für die
teilnehmenden Häuser anbieten, können Schlaganfälle in den teilnehmenden Krankenhäusern im ganzen Land rund um die Uhr sicher erkannt
und auf fachlich höchstem Niveau therapiert werden. Dadurch wird die Schlaganfallversorgung im Land nachhaltig verbessert.

„Insgesamt 48 Mal wurden seit Projektstart telemedizinische Konsile abgehalten, um Schlaganfall-Patientinnen und -Patienten zu behandeln“,
berichtet Priv.-Doz. Dr. Frederick Palm, Oberarzt der Neurologischen Klinik am Klinikum Ludwigshafen. „Die Zusammenarbeit hat reibungslos
funktioniert, das System lief äußerst stabil. Wir konnten die Patientinnen und Patienten sehr gut aus der Ferne untersuchen und mit der Expertise unserer Schlaganfallexperten auch entsprechend behandeln. Anhand der Untersuchungen wurden unter anderem die ersten beiden medikamentösen Therapien zur Auflösung der Gefäßverschlüsse (intravenöse Lysetherapien) durchgeführt. Auch wurden insgesamt zwei kathetergebundene Gefäßreöffnungen (Thrombektomien) eingeleitet. Wir sind sehr zufrieden mit den Erfahrungen der ersten drei Wochen.“

Untersuchungen via Videokonferenz

Kern des Netzwerks sind die sechs überregionalen Schlaganfalleinheiten (Stroke Units) in Rheinland-Pfalz (Katholisches Klinikum Koblenz-
Montabaur, Klinikum Idar-Oberstein, Klinikum Ludwigshafen, Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Trier, Universitätsmedizin der Johannes
Gutenberg-Universität Mainz, Westpfalz-Klinikum), die als Spezialisten auf dem Gebiet der Schlaganfallbehandlung ihre Expertise rund um die
Uhr für die teilnehmenden Krankenhäuser in Form von Tele-Konsilen für alle Patientinnen und Patienten mit Verdacht auf Schlaganfall zur
Verfügung stellen. Der diensthabende Schlaganfallexperte im Telestroke-Zentrum wird dafür noch in der Notaufnahme sofort über eine
Videokonferenz zugeschaltet, kann die Patientin oder den Patienten unmittelbar befragen und zusammen mit dem Arzt vor Ort neurologisch
untersuchen. Gleichzeitig werden die Computertomographie-Bilder der Patientin oder des Patienten innerhalb weniger Sekunden zur Beurteilung
in das Zentrum überspielt. Der Schlaganfallexperte kann somit innerhalb von wenigen Minuten entscheiden, ob eine Lysetherapie durchgeführt
werden kann oder eine Thrombektomie eingeleitet werden muss. Im letzteren Fall wird die Patientin oder der Patient in ein geeignetes,
gut erreichbares Krankenhaus verlegt.

„In Rheinland-Pfalz, wo es bedingt durch die Struktur des Landes gerade in den ländlichen Gebieten oft weite Wege in ein Zentrum gibt,
kommt dem Einsatz von Telemedizin eine bedeutende Rolle zu“, so Prof. Dr. Armin Grau, Direktor der Neurologischen Klinik am Klinikum
Ludwigshafen und Initiator des Telestroke-Netzwerks Rheinland-Pfalz. „Die meisten regionalen Schlaganfalleinheiten haben einen Tagdienst mit
einer Fachärztin oder einem Facharzt für Neurologie besetzt oder verfügen nur über einen neurologischen Konsiliardienst. Die diagnostischen
und therapeutischen Möglichkeiten für die Patientinnen und Patienten sind gut, werden aber nicht rund um die Uhr voll ausgeschöpft. Mit dem Telestroke-Netzwerk steht nun auch der Bevölkerung im ländlichen Raum eine Schlaganfallbehandlung auf noch höherem fachlichem Niveau zur
Verfügung, die bisher nur in Schlaganfallzentren in den großen Städten durchgeführt werden konnte.“

David Langner: „Noch schnellere Versorgung dank Telestroke“

Das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie des Landes Rheinland-Pfalz (MSAGD) hat die Gründung des Telestroke-
Netzwerks Rheinland-Pfalz begleitet, unterstützt und mit rund 711.000 Euro maßgeblich gefördert. „Rheinland-Pfalz verfügt über ein dichtes Versorgungsnetz auf hohem Niveau für Schlaganfallpatientinnen und -patienten. In sechs zentralen und 23 dezentralen Schlaganfalleinheiten,
den Stroke Units, werden Betroffene bestens versorgt. Doch es kommt beim Schlaganfall auf jede Minute an, um spätere Folgen zu reduzieren“,
so Gesundheitsstaatssekretär David Langner. „Ich begrüße es, dass wir mit dem Telestroke-Netzwerk zu einer noch schnelleren Versorgung von
Schlaganfall-Patientinnen und -Patienten beitragen.“

Rund 16.000 Menschen erleiden jedes Jahr in Rheinland-Pfalz einen Schlaganfall oder eine kurze Durchblutungsstörung des Gehirns. Um
sicherzustellen, dass sie in allen Häusern auf dem gleichen hohen Qualitätslevel behandelt werden, führen die Schlaganfallzentren gezielte
Fortbildungen durch, Maßnahmen der Qualitätssicherung sorgen für die Einhaltung der gemeinsamen Handlungsvorgaben.