Wenn das Essen nicht mehr schmeckt: Ernährungstipps für Tumor- und Stoma-Patienten im Klinikum Ludwigshafen

07.10.2016


Übelkeit, Appetitlosigkeit und ein gestörter Stoffwechsel: Die Diagnose Krebs ist für Betroffene meist ein Schock, der buchstäblich auf den Magen schlägt. Doch was tun, wenn das Essen als Belastung empfunden wird? Und welche Besonderheiten kommen auf Patientinnen und Patienten mit künstlichem Darmausgang zu? Am 26. Oktober 2016, 15 bis 17 Uhr, findet in der Mitarbeiter-Cafeteria im Klinikum Ludwigshafen (Bremserstraße 79, Haus A, Erdgeschoß) eine gemeinsame Informationsveranstaltung des Darmzentrums Rheinpfalz und der Dt. ILCO e.V. (Selbsthilfevereinigung für Stomaträger und Menschen mit Darmkrebs) zum Thema „Mangelernährung bei Tumorpatienten“ statt. Der Eintritt ist frei.

Im Zentrum der Veranstaltung, die gemeinsam von der Medizinischen Klinik C (Direktor: Prof. Dr. Ralf Jakobs) und der Chirurgischen Klinik A (Direktor: Prof. Dr. Stefan Willis) organisiert wurde, stehen neben Fachvorträgen vor allem nützliche Strategien für eine optimale Ernährung und Freude beim Essen sowie praxisnahe und im Alltag brauchbare Tipps und Tricks, um den drohenden Gewichtsverlust während einer Krebstherapie aufzuhalten oder zu vermeiden. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Bewältigung von Ernährungskomplikationen bei Stoma-Patienten. Denn einige Darmkrebspatienten benötigen während der Therapie vorübergehend einen künstlichen Darmausgang, durch den sich aber die ganze Verdauung ändern kann und die Patienten häufig unter erheblichen Durchfällen mit ausgeprägtem Gewichtsverlust leiden.

Die Küche des Klinikums beschäftigt sich seit einigen Monaten mit dem Thema Smoothfood und wird dieses Konzept bei der Veranstaltung vorstellen. Der stellvertretende Küchenchef Marcus Keßler hat hierfür hochkalorische Speisen entwickelt, welche durch eine spezielle Zubereitung auch bei Appetitlosigkeit und Schluckbeschwerden einfach zu sich zu nehmen sind. Eine Verkostung direkt vor Ort ist möglich.

Ein Viertel stirbt an Mangelernährung

„Jedes Jahr erliegen in Deutschland über 220.000 Menschen einer Tumorerkrankung. Rund 50.000 Tumorpatienten sterben jedoch nicht aufgrund ihrer Krebserkrankung, sondern an den Folgen der körperlichen Auszehrung. Dies macht Mangelernährung in der Tumorbehandlung zu einem ernstzunehmenden Thema, denn sie ist ein erheblicher Risikofaktor für den Erfolg der Therapie. In einer primär überernährten Gesellschaft wie Deutschland wird im klinischen Alltag dem Ernährungszustand von Tumorpatienten aber häufig erst bei erheblichem Gewichtsverlust die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt. Die Ursachen für eine Mangelernährung sind eine unzureichende Energie- und Nährstoffaufnahme aufgrund von Entzündungsprozesse, Nebenwirkungen von Therapie und tumorbedingte Stoffwechselstörungen, welche Appetitlosigkeit und Übelkeit hervorrufen“, sagt Dr. Denise Herzog, Assistenzärztin der Chirurgischen Klinik A im Klinikum Ludwigshafen.

„Mangelernährte Patienten haben im Vergleich mit nicht mangelernährten Patienten eine deutlich schlechtere Prognose. Im klinischen Alltag äußert sich dies oft durch Wundheilungsstörungen, verschlechterte Therapieverträglichkeit und mit längeren und häufigeren Krankenhausaufenthalten. Wenn eine Chemotherapie hinzukommt, sind Übelkeit und Erbrechen nur einige potenzielle Nebeneffekte. Dem Körper fehlen Kalorien und Eiweiße, die in den Muskeln gespeichert werden. Ein über mehrere Tage geführtes Ernährungsprotokoll des Patienten kann vor diesem Hintergrund helfen, einen sinnvollen Ernährungsplan zu erstellen und damit der Mangelernährung entgegenzuwirken.“

Ernährungsteam im Klinikum Ludwigshafen

In Deutschland verfügen aber nur wenige Krankenhäuser über ein Ernährungsteam, das sich gezielt mit der richtigen Ernährung von Tumor- und insbesondere von Stoma-Patienten beschäftigt. Am Klinikum Ludwigshafen erörtern Ärzte, Ernährungstherapeuten, Ökotrophologinnen und Diätassistenten interdisziplinär und gemeinsam mit dem Patient, wie die bisherige Ernährung durch kleine Veränderungen und einen individuellen Ernährungsplan optimiert werden kann, um einen weiterer Gewichtsverlust aufzuhalten. Ein Beispiel: Wenn ein Tumor-Patient statt eines Baguettes mit Salami ein Croissant mit Salami isst, kann er bei gleichem Nahrungsvolumen deutlich mehr Kalorien zu sich nehmen. Ein anderes Beispiel: Wenn ein Stoma-Patient statt Apfelsaft zu trinken, welcher abführend wirkt, den Apfel reibt und mit Reis isst, was wiederum eindickend wirkt, kann er ohne Medikamente seine Stoma-Durchfälle eindämmen, obwohl er an dem Grundnahrungsmittel Apfel eigentlich nichts verändert hat.

"Der Ernährungsstatus ist häufig die einzige Stellschraube, die der Patient im Kampf gegen den Krebs aktiv beeinflussen kann. Betroffene mit einem Stoma können über die Ernährung gezielt ihre Ausscheidungen beeinflussen. So lassen sich durch die Vermeidung blähender Nahrungsmittel oder Getränke mit Kohlensäure oft als lästig empfundene Windabgänge eindämmen. Ihm diese Möglichkeiten aufzuzeigen, ist ein großer Bestandteil unserer Arbeit. Und dafür sind uns unsere Patienten dankbar", erklärt Aileen Schad, Ökotrophologin im Klinikum.