Klinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin
Information für Ärzte
Die Klinik für Anästhesiologie, Schmerztherapie und Operative Intensivmedizin am Klinikum Ludwigshafen versorgt mit ihren derzeit 45 ärztlichen Mitarbeitern 20 Narkosearbeitsplätze, an denen im Jahre 2005 ca. 15.000 Anästhesien und Konsiliarleistungen durchgeführt wurden. Zur postoperativen Überwachung gibt es 2 Aufwachraumstationen mit insgesamt 22 Bettplätzen.
Zu den Operativen Disziplinen gehören die:
- Augenheilkunde
- HNO
- Kieferchirurgie
- Allgemeinchirurgie mit Gefäßchirurgie/Thoraxchirurgie
- Frauenheilkunde
- Urologie
- Unfallchirurgie
- Herzchirurgie
Narkosearbeitsplätze und Dokumentation
Alle Narkosearbeitsplätze sind mit modernen Beatmungsgeräten ausgestattet. Sie garantieren an jedem Arbeitsplatz eine optimale Beatmung von Patienten selbst mit schweren Gasaustauschstörungen. Unsere Patientenmonitore erlauben an jedem Narkosearbeitsplatz auch die Überwachung von Risikopatienten, die ein erweitertes Monitoring (Herzzeitvolumenmessung, Zerebrales Monitoring) bedürfen. Die Erfassung sämtlicher Patientendaten (Labordaten, Vitaldaten, Beatmungsdaten) erfolgt vollständig computerisiert und papierlos über das System Narkodata-Data (Firma IMESO). Dies ermöglicht auch nach Jahren einen sofortigen Zugriff auf alle Patientendaten. Durch die Entlastung des Anästhesisten von notwendigen Dokumentationsarbeit kann der Anästhesist auch in kritischen Momenten seine ganze Konzentration auf den Patienten verwenden.
In unserer Klinik kommen alle heute verfügbaren Narkosetechniken (Allgemeinanästhesie, Regionalanästhesie, Lokalanästhesie) zu Anwendung. Sie finden alleine oder auch in Kombination Anwendung.
Alle Narkosearbeitsplätze sind mit modernsten Patientenmonitoren ausgestattet.
Eine kontinuierliche EKG, SaPO2, Atemgasanalyse, nichtinvasive oder invasiver RR Messung findet bei jeder Narkose statt. Bei Bedarf kann dieses Monitoring erweitert werden.
Folgende Verfahren stehen hierzu zur Verfügung:
- Relaxometrie
- Spirometrie
- Zerebrales Monitoring EEG, SEP,AEP
- Herzkreislaufmonitoring (Pulmonaliskatheter, PICCO, TEE, FlowTrac ..)
In unserer Klinik werden folgende Techniken angewandt, um den Fremdblutbedarf zu reduzieren oder gänzlich darauf zu verzichten:
- Eigenblutspende (Absprache mit der Blutbank)
- Hämodilution
- Operationen in kontrollierter Hypotension
- Maschinelle Autotransfusion (Cell saver)
Perioperative Myokardprotektion
Die demographische Entwicklung in unserer Gesellschaft führt zu einem immer größeren Anteil älterer Patienten, die sich einem operativen Eingriff unterziehen müssen. Mit steigendem Lebensalter erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit einer koronaren Herzerkrankung. Der perioperative Stress bedingt eine Zunahme der Myokardinfarktrate, welche das Langzeitüberleben und die Lebensqualität des Patienten maßgeblich beeinflussen. Durch eine perioperative Myokardprotektion lässt sich die Myokardinfarktrate signifikant reduzieren. In unserer Klinik ist eine perioperative Myokardprotektion bei kardialen Risikopatienten fest etabliertes Verfahren.
In allen OP-Bereichen stehen mobile Arbeitsplätze zum Airwaymanagment zur Verfügung.
Folgende Verfahren und Techniken stehen zur Verfügung:
- verschiedene Bronchoskope
- LAMA
- Fasttrach LAMA
- Larynxtubus
- McCoy-Spatel
- COOK-Fädler
Zentrum für ambulantes Operieren
Eine Vielzahl von Operationen kann dank neuer und schonender Narkoseverfahren und Operationstechniken ambulant durchgeführt werden. Das Zentrum für ambulantes Operieren wird anästhesiologisch von unserer Abteilung betreut. Durch die heute zur Verfügung stehenden modernen Narkosemedikamente insbesondere die TIVA (Totale intravenöse Anästhesie) ist es möglich, dass viele ambulante Operationen durchgeführt werden können, ohne dass die Sicherheit des Patienten gefährdet wird. Diese Narkosemedikamente garantieren bei den Patienten ein zügiges Erwachen, eine Reduktion unerwünschter Nebenwirkungen und eine hohe Patientenzufriedenheit. Die ambulanten Operationen werden im Zentrum für Ambulante Operationen durchgeführt. Hier steht ein Team aus Fachärzten und Pflegekräften der beteiligten operativen Disziplinen (Chirurgie A, Chirurgie B, Gynäkologie, Urologie) zur Verfügung. Die enge Kooperation innerhalb der Disziplinen garantiert höchste Qualitätsstandards.
Der Aufgabenbereich der Schmerztherapie ist die Therapie akuter Schmerzen und die Diagnostik und Therapie chronischer Schmerzsyndrome. Der akute Schmerz tritt vor allem postoperativ auf. Zur Therapie dieser Schmerzen stehen besonders wirksame Verfahren zur Verfügung, wodurch dieser Schmerz sehr gut behandelbar ist. Diese Verfahren umfassen die analgetisch besonders wirksamen regionalen Verfahren wie Epiduralanalgesie oder Katheteranalgesie peripherer Nerven, sowie die intravenöse PCA mit einem Opioid (patient controlled analgesia). Der Akutschmerzdienst arbeitet in einer 24 Stunden Bereitschaft und ist für den Patienten immer erreichbar.
Im Jahr 2006 erhielten postoperativ 1409 Patienten eine PCA-Pumpe und 1301 Patienten eine PDK-Pumpe.
Als chronischen Schmerz bezeichnet man über eine gewisse Zeit (mehr als 6 Monate) anhaltende Schmerzen. Ein solcher Schmerz hat die eigentliche Warnfunktion für den Organismus verloren und kann unter bestimmten Umständen zu einem eigenständigen Krankheitsbild werden. Die Diagnostik und Therapie chronischer Schmerzen ist komplex und erfordert häufig ein interdisziplinäres Vorgehen. Jeder Patient erhält ein individuelles Therapieschema. Die Medikamentengabe kann oral, transdermal oder pumpengesteuert erfolgen.
Darüber hinaus bieten wir folgende Therapiemöglichkeiten:
- Epidural oder Katheteranalgesien
- Akupunktur
- TENS (Transkutane elektrische Nervenstimulation
- Periphere Nervenblockaden
Typische Krankheitsbilder, die wir auf interdisziplinärer Grundlage behandeln:
- Schmerzen bei Tumorerkrankungen
- Neurophatische Schmerzen (Herpes Zoster, Phantomschmerzen, Trigeminusneuralgie usw.)
- Kopfschmerzen, Migräne
- Chronische Rückenschmerzen
- CRPS (Morbus Sudeck)
- Fibromyalgie
Im Jahr 2006 wurden 959 Patienten im Konsiliardienst schmerztherapeutisch betreut.
Die Operative Intensivstation übernimmt mit ihren 12 Beatmungsbetten die Versorgung aller operativen Fachgebiete und zum Teil auch die Versorgung von nichtoperativen Disziplinen.
Zu den zuweisenden Kliniken gehören die Allgemein-, Thorax- und Unfallchirurgie, Gefäßchirurgie, Herzchirurgie, HNO-Chirurgie, Kieferchirurgie, Gynäkologie und Urologie. Im Jahre 2005 wurden ca. 1200 Patienten behandelt, von denen mehr als 80 % mechanisch beatmet wurden.
Die Hauptindikationen für eine Aufnahme auf der operativen Intensivstation ist die postoperative Betreuung von Patienten, die nachbeatmet und kardiozirkulatorisch stabilisiert werden müssen. Weitere Aufgabenfelder sind die Betreuung von polytraumatisierten Patienten, sowie die Therapie von postoperativen Komplikationen.
Die Beatmung ist ein integraler Bestandteil der intensivmedizinschen Therapie, insbesondere in der operativen Intensivmedizin. Alle 12 Betten sind mit modernen Intensivrespiratoren ausgestattet (Evita 2,-4, Bennet 840). Sie erlauben die Umsetzung aller Beatmungsmodi und Konzepte. Zusätzlich verfügt die Station über zwei spezielle Non-invasive-Respiratoren (BIPAP-Vision), sowie über die Möglichkeit einer Jet-Ventilation und Hochfrequenzbeatmung.
Kinetische Therapie durch Anwendung spezieller Lagerungstechniken (Bauchlage, Rotationsbett), die einen hohen personellen und technischen Aufwand verlangen, sind fest in unsere Therapiealgorithmen eingebettet. Bei schwersten Gasaustauschstörungen besteht die Möglichkeit einer NO- oder Prostacyclin Inhalationtherapie. Bei besonderer Indikation können wir auch eine extrakorporale CO2- Elimination (ECLA) durchführen.
Die perkutane dilatative Tracheotomie ist in unserer Klinik ein etablierter Standard im Rahmen einer prolongierten Entwöhnung vom Respirator. Unsere Klinik bietet alljährlich einen Kurs zum Erlernen dieser Technik an.
Die Ernährung unserer Intensivpatienten erfolgt nach den neuesten Therapiekonzepten im Konsens mit den operativen Abteilungen. Auch bei großen abdominellen Operationen streben wir eine möglichst frühzeitige enterale Ernährung an. Die Applikation erfolgt über spezielle Ernährungssonden. Bei kritisch kranken Patienten wird der tatsächliche Kalorienbedarf beidseitig mittels einer indirekten Kalorimetrie bestimmt. Die parenterale Ernährung erfolgt durch Monokomponetenlösungen, die enterale Ernährung erfolgt über Kombinationslösungen. Die Ernährung wird individuell dem Krankheitsverlauf angepasst.
Die Intensivstation ist mit modernsten Diagnostik und Überwachunggeräten ausgestattet.
Die Station verfügt neben den klassischen Verfahren des Herzkreislaufmonitorings wie dem Pulmonalarterienkatheter mit HZV-Messung mittels Thermodilutionstechnik über weniger invasive bzw. nichtinvasive Techniken wie Pulskonturanalyse, Bioimpedanz und transösophagiale Echokardiographie. Auch besteht die Möglichkeit eines zerebralen Monitorings mittels EEG, SEP, AEP und die hieraus abgeleiteten EEG-Parameter zur Steuerung der Sedierungstiefe. Zur Optimierung der Ernährungstherapie kann beidseitig mittels indirekter Kalorimetrie der tatsächliche Kalorienbedarf des Patienten bestimmt werden.
Um die aktuelle Gerinnungssituation des Patienten zu objektivieren ist es möglich, auf Station die Thrombozytenfunktion mittels RoTEM zu bestimmen.
Auf der Intensivstation stehen alle zur Zeit etablierten Nierenersatzverfahren zur Verfügung.
Die Betreuung der Nierenersatzverfahren erfolgt konsiliarisch durch die Ärzte der nephrologischen Abteilung in einer 24-Stunden Bereitschaft.
Bei bestimmten Formen des respiratorischen Versagens besteht die Möglichkeit eines vorübergehenden extrakorporalen Lungenersatzverfahrens (PECLA).
Patientenüberwachung und Dokumentation
Seit 2000 erfolgt die lückenlose Dokumentation sämtlicher Patientendaten vollständig computerisiert über das System ICU-Data. Alle für den Patienten relevanten Parameter (Labordaten, Vitaldaten, Beatmungsdaten) werden zeitnah in die elektronische Patientenakte übertragen. Die ärztliche und pflegerische Dokumentation erfolgt ebenfalls papierlos.
Dies ermöglicht auch nach Jahren einen sofortigen Zugriff auf alle Patientendaten.
Die Prämedikationsambulanz ist die Einrichtung, in der vor einem operativen Eingriff mit einer Narkose das Prämedikationsgespräch, also das Aufklärungsgespräch über die Narkose, sowie eine orientierende körperliche Untersuchung stattfinden.
Dieses Gespräch wird durch eine Arzthelferin vorbereitet. Das Aufklärungsgespräch selbst wird von einem erfahrenen Anästhesisten geführt, der die möglichen Narkoseverfahren erklärt und die am besten geeignete Narkoseform auswählt. Er ordnet auch ggf. nötige Voruntersuchungen an. Durch eine sehr genaue Dokumentation wird sichergestellt, dass keine Informationen verloren gehen und die Wünsche des Patienten berücksichtigt werden. Der Termin in der Prämedikationsambulanz wird durch die operative Klinik gemacht, in der der Patient operiert werden soll.
Unsere Abteilung besitzt als Haus der Maximalversorgung die volle Weiterbildungsermächtigung. Die Ausbildung zum Facharzt für Anästhesiologie kann in unserem Haus vollständig abgeleistet werden. Aufgrund des sehr weiten operativen Spektrums und der hohen Zahl der zu versorgenden Patienten, sind die Voraussetzungen zur Erlangung des Facharztes problemlos möglich. Für außerklinische Notfälle wird ein Notarztwagen (NAW) am Klinikum bereitgestellt. Die Besetzung des NAW erfolgt zu 50% durch die Ärzte der Anästhesieabteilung. Daher kann auch die fakultative Weiterbildung spezielle Notfallmedizin problemlos erworben werden. Die operative Intensivstation versorgt alle operative Disziplinen, inklusive der Herzchirurgie. Die fakultative Weiterbildung spezielle Intensivmedizin ist ebenfalls möglich.
Unsere Abteilung verfügt über ihr großes Engagement in der klinischen Forschung über eine hohe wissenschaftliche Reputation. Durch die regelmäßige Teilnahme an Multicenterstudien und die Initierung von nationalen und internationalen Studien sind unsere Therapien und Behandlungskonzepte auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand und Innovationen werden zeitnah in unseren klinischen Alltag integriert.
Die Abteilung für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin verfügt übergroßes wissenschaftliches Engagement auf dem Gebiet der intensivmedizinschen und der anästhesiologischen Forschung. Die Forschungsergebnisse werden in nationalen und internationalen Fachzeitschriften publiziert, die das Niveau der klinischen Forschung widerspiegeln. Darüber hinaus ist unsere Klinik regelmäßig in nationale und internationale Multicenterstudien eingebunden. Es bestehen sehr enge wissenschaftliche Kooperationen mit verschiedenen Universitätskliniken. Zahlreiche Doktoranden konnten in den letzten Jahren ihre Promotion erlangen. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit einer externen Habilitierung.
Im Focus der wissenschaftlichen Arbeit stehen:
- Weiterentwicklung von Volumersatzlösungen
- Fremdblutsparende Maßnahmen
- Aufwachverhalten und kognitive Leistungen nach Narkosen
- Inhalative Sedierung
- Problemstellungen des alten Menschen in Narkose
- Verbesserung der perioperativen ß-Blockade als Maßnahme zur Myokardprotektion
- Behandlung von peri- und postoperativen Störungen z.B. Erbrechen (PONV) oder sog. „Zittern“ (Shivering)
- Messung von Gewebeoxygenierung und Organfunktion unter verschiedenen Narkoseverfahren
- Einfluss der Hyperoxygenierung auf die inflammatorische Antwort
- Pharmakoökonomik
Die einzelnen Originalveröffentlichungen sind der jeweiligen Jahresübersicht zu entnehmen
- Publikationen im Jahr 2006
- Publikationen im Jahr 2005
- Publikationen im Jahr 2004
- Publikationen im Jahr 2003
- Publikationen im Jahr 2002
- Publikationen im Jahr 2001
Weiterhin engagiert sich die Anästhesiologische Abteilung auch in der Ausbildung des medizinischen Nachwuchses (Praktika von Rettungsassistenten /-sanitätern, Famulaturen, Ausbildung von Studenten im Praktischen Jahr) sowie in der innerklinischen Fort- und Weiterbildung z. B. Reanimationstraining für Ärzte und Pflegekräfte.



