Strahlentherapie
Patienteninformation
Allgemeines zur Strahlentherapie
Die Strahlentherapie hat heute neben der Operation und Chemotherapie einen festen Platz in der Behandlung bösartiger Tumore. Durch eine Strahlentherapie nach der Operation kann z. B. in vielen Fällen ein verstümmelnder operativer Eingriff vermieden werden. Ein Beispiel hierfür ist die brusterhaltende Operation eines Mammakarzinoms (Brustkrebs). Bei kleinen Tumoren reicht es aus, nur den Tumor mit Sicherheitsabstand zu entfernen. Durch die postoperative Strahlentherapie können in der Brust verbliebene Tumorzellen zu einem hohen Prozentsatz vernichtet werden. Große Studien beweisen, dass die Behandlungsergebnisse der brusterhaltenden Operation und Nachbestrahlung der Mammaamputation gleichwertig sind. Bei lokal fortgeschrittenen inoperablen Tumoren kann durch eine alleinige Bestrahlung durchaus eine vollständige Tumorvernichtung erreicht werden oder der Tumor so verkleinert werden, dass er anschließend operiert werden kann. Auch bei operablen Tumoren kann in Einzelfällen eine Bestrahlung vor der Operation sinnvoll sein.
Die Bestrahlung von Knochenmetastasen führt in einem hohen Prozentsatz zu einer deutlichen Besserung der Schmerzsymptomatik und nach Monaten zu einer besseren Stabilität. Dennoch kommen viele Patienten mit großen Ängsten und Vorurteilen zur strahlentherapeutischen Behandlung. Die folgenden Informationen sollen Ihnen helfen, diese unbestimmten Ängste abzubauen.
Der Angriffsort der Bestrahlung ist die im Zellkern befindliche DNS. Die DNS jeder Zelle enthält alle Informationen, die für den Aufbau und die Funktion des menschlichen Körpers notwendig sind. Vor einer Teilung von Körperzellen, die in fast allen menschlichen Geweben ständig stattfindet, wird die DNS im Zellkern verdoppelt und dadurch die gesamte Information der DNS an die neu entstehende Zelle weitergegeben.
Hochenergetische Strahlen können zu Veränderungen an der DNS und damit zu Störungen der Informationsweitergabe führen. Hierdurch kann die Zelle entweder direkt absterben oder die Fähigkeit verlieren, sich zu teilen, so dass es zu einer raschen Überalterung und damit zum vorzeitigen Absterben des Gewebes bzw. Tumors kommt. Die abgestorbenen Tumorzellen werden durch körpereigene Enzyme in Eiweißbausteine zerlegt. Die Strahlenschädigung der DNS findet natürlich auch an gesunden Körperzellen statt, jedoch enthalten normale Körperzellen viele Reparaturenzyme. Diese können DNS-Schäden erkennen und reparieren.
Auch Tumorzellen haben Reparaturmöglichkeiten, doch laufen diese im Allgemeinen langsamer ab als im Normalgewebe. Aus diesem Grund wird die Strahlendosis in viele kleine tägliche Einzeldosen über mehrere Wochen aufgeteilt, um die bessere Erholungsfähigkeit der gesunden Zellen auszunutzen.
Durch moderne Bestrahlungsgeräte mit höherer Strahlenenergie und den Einsatz von Computern in der Bestrahlungsplanung gelingt es, im Tumor selbst eine hohe Strahlendosis zu erreichen bei gutem Dosisabfall zum umliegenden gesunden Gewebe. Daher wird meist aus mehreren Richtungen auf den Tumor eingestrahlt, wobei sich die Strahlenbündel im Tumorbereich treffen.
Durchführung der Strahlentherapie - Erstgespräch
Wenn Sie in unsere Klinik überwiesen werden, wurde in den meisten Fällen bereits die Diagnose eines bösartigen Tumors gestellt. Einige Patienten kommen zur Strahlentherapie gutartiger Erkrankungen. Um festlegen zu können, ob eine Strahlentherapie bei Ihrer Erkrankung nötig ist, bringen Sie bitte alle verfügbaren Vorbefunde mit. Besonders wichtig ist der Histologiebefund (Befund der Gewebeuntersuchung), Operationsbericht, Berichte über die durchgeführten Untersuchungen wie Ultraschall, Skelettszintigraphie sowie die Röntgen-, Computertomographie- und Kernspintomographiebilder. Erst dann kann sich der Arzt ein vollständiges Bild Ihrer Erkrankung machen und den entsprechenden Behandlungsplan festlegen.
In einem ausführlichen Gespräch erklärt Ihnen der Arzt die notwendige Behandlung und den Ablauf der Strahlentherapie. Es findet auch eine körperliche Untersuchung statt, damit sich der Arzt selbst ein Bild über den aktuellen Befund bzw. die körperliche Verfassung machen kann.
Im weiteren Gespräch werden Sie ausführlich über mögliche Nebenwirkungen der Behandlung, über Vorbeugungsmaßnahmen sowie die Hautpflege der Bestrahlungsfelder während und nach der Therapie aufgeklärt. Am Ende des Gesprächs wird Ihnen ein schriftlicher Aufklärungsbogen ausgehändigt, auf dem die wichtigsten möglichen Nebenwirkungen festgehalten sind. Diesen können Sie nochmals in Ruhe zuhause durchlesen. Falls Sie mit der Behandlung einverstanden sind, bringen Sie diesen Bogen unterschrieben zu Ihrem nächsten Termin mit. Falls noch Unklarheiten bestehen oder Ihnen zusätzliche Fragen einfallen, können Sie diese beim nächsten Termin dem Arzt stellen.
Die Behandlung kann ambulant oder stationär erfolgen. Dies hängt von Ihrem Gesundheitszustand, von der Entfernung Ihres Wohnortes zur Klinik und der Behandlungsmethode ab. Bei einigen Tumorerkrankungen wird z. B. zweimal täglich eine Bestrahlung durchgeführt, wobei zwischen den einzelnen Bestrahlungssitzungen eine Pause von mindestens sechs Stunden eingehalten werden muss. Bei anderen Erkrankungen wird gleichzeitig eine Strahlen- und Chemotherapie durchgeführt. In diesen Fällen ist im Allgemeinen eine stationäre Aufnahme notwendig.
Der früher gefürchtete „Strahlenkater“ tritt allenfalls bei der Bestrahlung sehr großer Felder, z.B. im Rahmen der Behandlung von Lymphdrüsenkrebs oder bei der Ganzkörperbestrahlung auf. „Verbrennungen“ der Haut sind bei Anwendung hochenergetischer Photonenstrahlung und der Mehrfeldertechnik selten geworden. Muss die Haut wegen Tumorinfiltration oder oberflächlich gelegenen Tumoren die volle Dosis erhalten, können natürlich stärkere Hautreaktionen auftreten. Sie heilen unter entsprechender Lokaltherapie meist in zwei bis drei Wochen ab. Die Haut der Strahleneintrittsfelder darf mit Wasser ohne Seife gereinigt werden. Sonstige Reize, wie Kälte oder Wärmebehandlung, Deos und insbesondere Sonneneinstrahlung, sind im Bestrahlungsfeld zu vermeiden. Bei der Bestrahlung von HNO-Tumoren tritt häufig eine Schleimhautentzündung (Mukositis) auf. Diese ist nicht vermeidbar, da die Schleimhäute im Bestrahlungsfeld liegen müssen. Vorbeugend sind in diesen Fällen eine intensive Mundpflege und das Vermeiden zusätzlich reizender Stoffe, wie Alkohol und Nikotin. Zur Prophylaxe einer radiogenen Entzündung des Kieferknochens und einer verstärkten Kariesbildung sind eine Zahnsanierung und eine intensive längere lokale Fluoridbehandlung der Zähne notwendig.
Bevor mit der Strahlentherapie begonnen werden kann, müssen die Strahlenfelder am Simulator festgelegt werden. Der Simulator ist ein spezielles Röntgendurchleuchtungsgerät, das die gleichen geometrischen Projektionsverhältnisse besitzt wie das Bestrahlungsgerät. Das Gerät ist um eine Achse drehbar, so dass aus jedem beliebigen Winkel durchleuchtet werden kann. Der Patient wird auf dem Behandlungstisch in möglichst bequemer und entspannter Körperhaltung gelagert. Verschiedene Lagerungshilfen, wie Knierolle, Armhalterung oder Nackenrolle helfen, eine weitgehend angenehme Lagerung zu erreichen.
Bei Bestrahlungen im Kopf-Halsbereich wird zusätzlich zur exakten Lagerung des Kopfes eine individuelle Kopfmaske angefertigt. Wir verwenden hierfür ein dünnes Gitter aus Plastik, das an einer Halterung befestigt wird. Die Maske wird in einem Wasserbad erwärmt. Hierdurch kann man sie dehnen und anformen. Dann wird die Rohmaske über das Gesicht des Patienten gelegt, an der Nasenwurzel, im Kinnbereich und an der Stirn angedrückt. Die Maske härtet innerhalb von 5 bis 10 Minuten aus.
Bestrahlungsfelder von Tumoren, die im Röntgenbild gut sichtbar sind, können unter Durchleuchtung direkt eingestellt werden. Es wird die notwendige Größe des Bestrahlungsfeldes, der Einstrahlwinkel und die Tiefe des Tumors im Körper festgelegt. Die Strahlenfelder werden mit Filzstift auf der Haut (oder Maske) markiert. Das Bestrahlungsfeld wird mit Röntgenaufnahmen dokumentiert. Je nach Art der Erkrankung dauert die Simulation zwischen 10 und 45 Minuten. Wichtig für das Gelingen ist vor allem, dass Sie möglichst ruhig und entspannt liegen.
Bei Tumoren, die im normalen Röntgenbild nicht zu sehen sind oder sehr nah an strahlenempfindlichen Organen liegen, wird vor der Simulation eine Planungs-Computertomographie (CT) durchgeführt. Diese erfolgt in der üblichen Lagerung für die Bestrahlung.
Die einzelnen CT-Bilder können in den Computer für die Bestrahlungsplanung überspielt werden. Der Arzt zeichnet in jedes CT-Bild das Zielgebiet ein, das die verordnete Dosis bekommen soll. Zusätzlich werden die zu schonenden Organe eingezeichnet. Der Medizinphysiker berechnet die günstigste Bestrahlungstechnik. Anschließend wird die Simulation anhand des vorgegebenen Bestrahlungsplans durchgeführt. Auch hierbei wird von jedem geplanten Bestrahlungsfeld eine Röntgenaufnahme angefertigt, und die Felder werden auf der Haut oder Maske angezeichnet. Außerdem werden auf dem Körper Markierungen für eine exakt reproduzierbare Lagerung angebracht.
Da der Tumor meist irregulär geformt ist, werden die primär eckigen Bestrahlungsfelder durch individuell angefertigte Schwermetallblöcke der Tumorform angepasst (konformale Therapie).
Die perkutane Bestrahlung selbst findet an einem der beiden Linearbeschleuniger statt. Bei der Ersteinstellung werden nochmals alle Parameter des Bestrahlungsplanes von der medizinisch-technischen Radiologieassistentin (MTRA), dem Medizinphysiker und dem Arzt überprüft. Auch werden spezielle Aufnahmen (Verifikationsaufnahmen von jedem Strahlenfeld) angefertigt. Aus diesem Grund dauert die Ersteinstellung länger als die folgenden Bestrahlungen.
Während der eigentlichen Bestrahlung sind Sie für kurze Zeit allein im Behandlungsraum. Über eine Videokamera und eine Sprechanlage im Behandlungsraum kann die MTRA im Schaltraum Sicht- und Sprechkontakt mit Ihnen halten. Die reine Bestrahlungszeit pro Feld liegt etwa zwischen 20 und ca. 100 Sekunden. Zusammen mit der Zeit für die exakte Positionierung und die Einstellung der Bestrahlungsfelder verbringt der Patient zwischen 5 und 15 Minuten auf dem Bestrahlungstisch.
Nach der ersten Bestrahlung gibt Ihnen die MTRA die Termine für die weiteren Behandlungen. Es wird üblicherweise von Montag bis Freitag täglich behandelt, je nach Erkrankung sind zwischen 10 und 39 Bestrahlungen notwendig.
Fehler bei der täglichen Bestrahlung sind durch computergesteuerte Verifikationssysteme, die die Felddaten für jedes Bestrahlungsfeld speichern und die Bestrahlungsdosen aufsummieren, extrem selten geworden. Ferner ist heute eine direkte Bildkontrolle des Feldes während der Bestrahlung möglich. Sie kann mit dem Röntgenbild des Simulators verglichen werden (Portal-Imaging-System).
Wenn Sie während der Behandlung Beschwerden bekommen oder noch Fragen haben, wenden Sie sich bitte an die behandelnde MTRA, die Sie dem Arzt vorstellt. Nach der letzten Bestrahlung findet nochmals ein Gespräch mit dem Arzt statt. Hierbei erhalten Sie Hinweise zur weiteren Hautpflege und sonstigen Verhaltensmaßnahmen. Im Allgemeinen wird ein Kontrolltermin bei uns zur Strahlenfeldkontrolle und Überprüfung möglicher Nebenwirkungen vereinbart. Es wird die weitere Nachsorge besprochen, die überwiegend von Ihrem überweisenden Haus- oder Facharzt durchgeführt wird.
In einem abschließenden Gespräch wird Ihnen der Arzt sagen, worauf Sie in der nächsten Zeit achten müssen, ggf. verschreibt er Medikamente oder hautpflegende Mittel und danach werden Sie wieder an Ihren Haus- oder Facharzt überwiesen. In enger Absprache mit dem Hausarzt werden Sie gelegentlich zu uns zu Nachuntersuchungen, vor allem auch zu Strahlenfeldkontrollen, kommen. Dies dient zum einen dazu, den Erfolg der Behandlung beurteilen zu können, zum anderen dazu, eventuelle Nebenwirkungen frühzeitig zu sehen und gegebenenfalls zu behandeln.
Die erste Nachsorge erfolgt zur Strahlenfeldkontrolle nach ungefähr drei Monaten und dann, je nach Situation, in regelmäßigen dreimonatigen oder jährlichen Kontrollen. Bei allen Fragen betreffs des Strahlenfeldes oder der Krankheit können Sie sich jederzeit an den nachsorgenden Arzt wenden, der Sie gern beraten wird. Bei Unklarheiten oder Auffälligkeiten sollte Ihr Arzt Sie in der Strahlentherapie vorstellen.
Bei manchen Tumorerkrankungen ist es sinnvoll, eine radioaktive Strahlenquelle in unmittelbaren Kontakt zum Tumor zu bringen. Diese Behandlung wird häufig bei Gebärmuttertumoren durchgeführt, in einzelnen Fällen auch bei Tumoren der Speiseröhre und der großen Bronchien. Hierbei wird ein Applikator-Stift in das Hohlorgan in Tumornähe platziert. Nach Operation eines gynäkologischen Tumors ist bei Bestrahlung der Scheide keine Narkose notwendig.
Anschließend kann ferngesteuert die radioaktive Quelle (meist Iridium-192) über einen Draht aus einem Bleitresor in den Applikator eingefahren werden (sog. Afterloadingtechnik). Mittels 3D-Bestrahlungsplanung ist eine individuelle Berechnung der Dosisverteilung möglich. Bei anderen Tumoren, z. B. Prostatakarzinom, ist es sinnvoll, Hohlnadeln in Allgemeinnarkose direkt in den Tumor einzustechen. Die radioaktive Quelle fährt dann nacheinander in alle Hohlnadeln ein.
Der Vorteil der Behandlung besteht in dem geringen Abstand zwischen Strahlenquelle und Tumor mit steilem Dosisabfall schon nach einem Zentimeter Abstand, so dass im Tumor selbst hohe Dosen appliziert werden können und das umliegende Gewebe gut geschont wird. Allerdings lassen sich mit dieser Methode nur kleine Tumorvolumina behandeln. Häufig ist eine Kombination aus Brachy- und perkutaner Therapie notwendig, um neben der lokalen Bestrahlung des Tumors auch den Lymphabfluss mitzubestrahlen.
Wir haben in Haus F eine Station mit 27 Betten (ST 01). Diese Station steht für Sie offen, wenn der Weg von Ihrem Heimatort zur Bestrahlung zu beschwerlich ist oder Sie während der Bestrahlungszeit nicht transportiert werden können, weil Sie z. B. Schmerzen haben oder strenge Bettruhe einhalten müssen. Außerdem ist die Station immer dann für Sie offen, wenn Sie außerhalb der Bestrahlungsphase Schmerzen oder unklare Beschwerden haben, die weiter abgeklärt werden müssen. Es werden auch Chemotherapien durchgeführt, die wir größtenteils als kombinierte Chemo-Strahlentherapie durchführen. Bei bestimmten Krankheitsbildern weiß man, dass eine Chemotherapie in bestimmten Abständen zur Strahlentherapie die Wirkung der Strahlentherapie verstärken kann.
Außerdem gibt es heute viele neue Konzepte, bei denen Strahlentherapie und Chemotherapie nicht nur gleichzeitig, also simultan, sondern auch in gewissen Abständen versetzt zueinander gegeben werden.
Während der stationären Phase sind speziell geschulte Ärzte für die medizinische Versorgung für Sie da. Unser Pflegepersonal ist speziell für die Anforderungen onkologischer Patientinnen und Patienten geschult.
Bei den häufig auftretenden sozialen Fragen von Versorgung während des stationären Aufenthaltes, über finanzielle Probleme und Versorgung nach dem stationären Aufenthalt (Betten, Hilfsmittel, Rollstühle, Rehabilitation usw.) hilft Ihnen unser Sozialdienst.
Hier finden Sie Informationen zur Station ST 01.
Hier finden Sie Informationen zur Bestrahlungstherapie sowie zum Thema Strahlen für das Leben.
Hier finden Sie weitere Beratungsbroschüren.



